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Rheinsteig-Extremlauf 2013, 34 km mit 1200 HM

Streckenlänge: 34 km

Aufstieg: 1200 HM, Abstieg: 1150 HM

Einstufung: schöner, aber sehr anstrengender Landschaftslauf

Besonderheit: überwiegend Trail!

Fotos: Michaela Claus, Matthias Gau und Eventfotografie24.de! Vielen Dank!

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Höhenprofil (Höhe in Metern, Distanz in Kilometern):

rheinsteig_hoehenprofil

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Extremlauf extrem

Der Rheinsteig-Extremlauf ist mit 34 km und 1.200 Höhenmetern nichts für Untrainierte und fordert generell schon ein paar Körner von seinen Teilnehmern ab. Dieses Jahr allerdings war ein besonderes Jahr und der Zusatz Extremlauf hat eine neue Bedeutung bekommen.

Da der Wonnemonat Mai in Nordrhein-Westfalen sprichwörtlich ins Wasser gefallen war und auch die Vortage zum Rheinsteig-Extremlauf durch häufige und ergiebige Niederschläge geprägt waren, hatten die Veranstalter wenige Tage vor dem Lauf bereits auf sehr matschige Streckenverhältnisse hingewiesen. Der Lauf sollte dennoch stattfinden. Aus meinem jugendlichen Leichtsinn heraus dachte ich noch: „Vor drei Jahren hat es doch auch geregnet. Schlimmer wird es schon nicht werden.“. Doch es kam anders:

rhex matsch klein 

Der Wetterbericht der einschlägigen Wetterdienste sollte ausnahmsweise Recht behalten und nach einem zwar kalten, aber sonnigen Samstag setzte in der Nacht zum Sonntag ergiebiger Dauerregen ein. Nachdem ich mich um 4:30 Uhr aus dem Bett gequält und gefrühstückt hatte und der Blick ins Regenradar auch wenig Hoffnung auf besseres Wetter machte, war bereits die Anfahrt nach Bonn von daumendickem Regen geprägt. Bei der Ankunft 8°C Lufttemperatur. Super… Nachdem ich schnell die Startunterlagen im Telekom-Campus eingesammelt hatte, machte ich mich auf den Weg zur Insel Grafenwerth in Bad Honnef, um das Auto am Ziel zu parken. Mit dem Bummelzug und vielen Sportlern ging es dann zurück zum Start nach Bonn.

Ich hatte mich bereits während der Fahrt dazu entschlossen mit meiner Marmot „Regenjacke“ zu laufen; dazu kurze Hose mit Kompressionsstulpen und den Salomon Sense Mantra als Schuh. Auch meinen Rucksack mit Getränken hatte ich zu Trainingszwecken für die 4-Trails auf den Rücken geschnallt.

Ich war überrascht wie viele Teilnehmer sich bei dem Wetter nach Bonn begeben hatten! Ich hätte mit deutlich mehr Verweigerern gerechnet. Im Startbereich hatte ich einen netten Plausch mit Christian, den ich bereits aus dem letzten Jahr kannte, und der auch mein regelmäßiger Wegbegleiter während des Laufs sein sollte.

rhex start klein

Pünktlich um 8:00 Uhr fiel der Startschuss. Fast wären alle geradeaus gelaufen und nur beherzte Rufe der Streckenposten brachten uns nach links, in die richtige Richtung, auf die Strecke. Ich hatte mich weit vorne einsortiert und musste nicht wie im letzten Jahr das halbe Feld überholen. Nach dem kurzen Stück Bonner Straßen zum „Einrollen“ ging es in den ersten Anstieg und über glitschige Treppen. Hmm. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schon komisch. Sollte ich tatsächlich einen schlechten Tag erwischt haben? Die Trainingsform der vergangenen Wochen war doch so gut gewesen?!

Oben angekommen, war im anschließend welligen Profil leichtes Verschnaufen angesagt. Bereits hier war der Zustand der Strecke zu erkennen. Durchgehend Matsche, immer wieder Pfützen, rutschige Wurzeln. Heute war also aufpassen angesagt.

Bei den Weinbergen von Dollendorf zeigte sich ein wenig das Rheinpanorama unter stark verhangendem Himmel und stetigem Regen. Kurz genießen, denn nach ein paar Kilometern würde der fiese Anstieg zum Petersberg kommen.

rhex petersberg kleinBeim Anstieg zum Petersberg hatte sich das Feld bereits weitgehend sortiert und ich war mehr oder weniger alleine unterwegs. Der Anstieg fiel mir total schwer und ich musste die letzten 200 Meter in den Spaziergängermodus schalten, was ich mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich erklären konnte. Das Flachstück, um die ehemalige Residenz des Bundes herum, konnte ich nutzen, um die Herzfrequenz wieder zu stabilisieren. Es schüttete wie aus Eimern und bei dem feuchtkalten Wetter taten mir die Helfer an den Verpflegungsstationen wirklich Leid. Wir durften uns immerhin bewegen…

Der folgende Abstieg vom Petersberg hatte es wirklich in sich. Mocke total. Obwohl der Salomon Sense Mantra eigentlich schon gut auf Matsch läuft, musste ich zwischenzeitlich einige akrobatische Einlagen bringen, um nicht der Länge nach in selbigem zu landen. Naja, schult die Koordination… :o) Bei dem Matsch wäre ein Snowcross die bessere Wahl gewesen.

Ein Streckenposten wieß uns plötzlich um eine scharfe Linkskurve und sagte „Achtung matschig!“. Ich dachte noch „Ach, ist ja mal was Neues?!“. Aber er hatte Recht… Die folgenden 20-30 Meter ging es durch mehr als knöcheltiefen Matsch, der mit ein paar Mal fast die Schuhe vom Fuß saugte. Spätestens jetzt waren auch die Zwischenräume der Zehen komplett nass…

Während des Laufs wechselte sich starker Regen von oben mit starkem Regen von der Seite, starkem Regen von links oder rechts und auch mal mit starkem Regen von hinten ab. Zwischenzeitlich gab es auch mal leichten Regen. Aber keinen oder warmen Regen gab es nie. Ich fühlte mich irgendwie an Forrest Gump erinnert, allerdings hörte der Regen beim Rheinsteig nicht auf…

rhex treppe klein

Der Drachenfels musste wie im letzten Jahr immer noch linksseitig umlaufen werden. Nach dem Anstieg wurden wir oben mit einer grandiosen Nichtsicht belohnt. Dichte Nebelsuppe, ca. 50 Meter Aussicht und gefühlte 7° C. Die armen Streckenposten. Vom Drachenfels ging es über meine Lieblingstrails wieder hinunter Richtung Rhein. Hier war erhöhte Aufmerksamkeit angesagt, die Treppenstufen waren sauglatt und der Trail selbst war… matschig. Hatte ich schon erwähnt, dass es matschig war?! Auch hier konnte man bei vielen Teilnehmern wieder kurze Akrobatikeinlagen bestaunen…

Ich fühlte mich ziemlich platt, bekam die Herzfrequenz gar nicht mehr richtig hochgezogen und hatte eine Zeit unter 3:00 Stunden schon lange abgeschrieben. Der Anstieg zur Löwenburg hinauf gab mir den Rest. In den steilen Stücken musste ich wieder in den Spaziergängermodus, fühlte mich total kraftlos und hatte das Gefühl, dass ich nicht vernünftig die Spur halten könnte. War ich froh als ich den längsten Anstieg des Tages geschafft hatte!

Von der Löwenburg aus ging es flotten Schrittes hinab ins Schmelztal. Letztes Jahr hatte ich hier superdicke Waden. Dank meiner Kompressionsstulpen spürte ich dieses Jahr nichts dergleichen. Unten überquerte ich schnell die Straße und begab mich in den letzten längeren Aufstieg des Tages. Als ich endlich – mal wieder im Spaziergängermodus – am Ende des Trampelpfads angekommen war und fast auf den Waldweg kam, hatte mich Christian von hinten wieder eingeholt. „Komm Sebastian, lass gehen“. „Hast ja Recht!“. Ich habe mich nochmal aufgerafft und mich die welligen Kilometer von ihm ziehen lassen.

rhex nebel klein

Dann kam der Abstieg durch die Schneise. Dieser ist schon bei normalem Wetter technisch anspruchsvoll. Ich war gespannt wie der dieses Jahr aussehen würde. Die Schneise hatte sich in einen Bach verwandelt! Da die Schuhe eh schon leicht feucht waren, lohnte es sich nicht, dem Bach auszuweichen. Die laufbarste Strecke führte nämlich zufällig genau durch den Bach. Also: Ab durch die Mitte. Schon sehr spaßig… :o)

Unten angekommen ging es dann die letzten Kilometer über Asphalt durch Bad Honnef. Hier fing Christian an zu schwächeln: „Ohhh, meine Waden!“. „Komm, lass gehen! Jetzt laufen wir zusammen zu Ende!“.  „Den da vorne kannst du noch schnappen!“. „Egal, auf den Platz kommt es auch nicht an.“. Wir sind dann gemeinsam durch Bad Honnef, die dämliche Überführung hoch, auf die Insel Grafenwerth und zusammen ab ins Ziel: „Da kommt das erste Duo des Tages!“.

rhex ziel kleinPlatz 28 ist es in 3:08 Stunden geworden. Gemeinsamer 4. Platz in der AK 35. Und ich war schnellster Läufer mit Rucksack. ;o) Nicht so gut wie letztes Jahr, aber doch ganz brauchbar.

Da es immer noch kübelte, habe ich mich nicht lange im Ziel aufgehalten, sondern bin ins Auto und mit Heizung auf „High“ nach Hause gefahren. Abends hatte ich bereits Kratzen im Hals und eine laufende Nase, die nächsten zwei Tage Fieber. Jetzt hatte ich auch die Erklärung für mein „Formloch“ in den Anstiegen…

Abgesehen von der doofen Erkältung, die ich offensichtlich schon während des Wettkampfs im Körper hatte, war es wieder ein geniales Rennen – trotz oder vielleicht gerade wegen des markanten Wetters. Wer nicht zum RHEX fährt, der ist wirklich selber Schuld!

Für Interessierte: Anbei noch die Diagramme aus meiner Polar RS800CX RUN. Rot = Herzfrequenz, dunkelrot = Höhe, blau = Pace.

rhex hf 2013 klein

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