Punkte

Rheinsteig Extremlauf 2011, 34 km mit 1200 HM

Streckenlänge: 34 km

Aufstieg: 1200 HM, Abstieg: 1150 HM

Einstufung: schöner, aber sehr anstrengender Landschaftslauf

Besonderheit: überwiegend Trail!

Punkte

Höhenprofil (Höhe in Metern, Distanz in Kilometern):

rheinsteig_hoehenprofil

Punkte

Der Rheinsteig-Extremlauf führt über die Wege des Rheinsteigs von Bonn-Rammersdorf über die Höhen des Siebengebirges bis auf die Insel Grafenwerth in Bad Honnef. Eine tolle Strecke, mit 34 km und 1.200 Höhenmeter, die hauptsächlich über Naturwege und Trails führt. Sehr empfehlenswert.

Letztes Jahr bin ich durch Zufall beim Stöbern auf den Rheinsteig-Extremlauf gestoßen. Interessantes Höhenprofil, also anmelden. :o) Bei feuchtem Wetter bin ich letztes Jahr 3 Stunden 44 Minuten gelaufen. Grund genug, den Lauf dieses Jahr erneut zu laufen und die Zeit zu verbessern. Vielleicht schaffe ich unter 3 Stunden 30 Minuten?

Also: Um 05:00 Uhr aufstehen, kohlenhydratreiches Frühstück, ab ins Auto und mit einem 145er Schnitt über die Autobahn ab nach Bonn. Ob das ein gutes Omen ist? ;o) In Bonn Rammersdorf habe ich noch schnell die Startunterlagen abgeholt, dann das Auto auf der Insel Grafenwerth in Bad Honnef abgestellt und bin dann mit dem letztmöglichen Zug zurück nach Bonn Rammersdorf gefahren. Etwa 10 Minuten vor Rennbeginn bin ich am Start und warte in nervöser Anspannung.

Aufgrund der Trainingszeiten, die ich aus meinem neuen Trainingsplan der Sportklinik Hellersen gezogen habe sortiere ich mich im vorderen Drittel des Felds ein. Mal schauen was geht. Der Rheinsteig Extremlauf wird ein Test für den im Juli anstehenden Swissalpine-Marathon, meinem ersten Alpen-Marathon.

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Foto: Michaela

Der Startschuss fällt, und wir laufen auf direktem Wege aus Bonn heraus, um möglichst schnell in den Wald zu kommen. Hier folgt direkt der erste Anstieg und ich überhole viele Läufer. Bin ich zu schnell? Eigentlich nicht, die Herzfrequenz liegt im Rahmen. Bei der Treppe, an der ich letztes Jahr ziemlich im Stau stand, staut es sich dieses Mal gar nicht?! Komisch.

Die nächsten Kilometer haben eher ein welliges Profil und die Anstiege nur eine moderate Länge. Ein Stück des Weges führt oberhalb eines Weinbergs entlang. Hier hat man einen tollen Blick auf eine Rheinschleife! Bergauf achte ich darauf, dass ich nicht deutlich über 180 Schläge in der Herzfrequenz komme. Mir fällt immer mehr auf, dass kaum Leute um mich herum sind. Jetzt geht mir ein Licht auf: Ich laufe viel weiter vorne im Feld als sonst. Hat der Trainingsplan schon so viel gebracht?!

Vom letzten Jahr kann ich mich noch daran erinnern, dass jetzt der erste knackige Anstieg zum Petersberg folgt. Die moderate Steigung wird immer steiler und gipfelt erst kurz vor dem Gipfel… Ich kann den gesamten Anstieg gut hochlaufen und gehe lediglich die letzten paar Meter unterhalb des Hotels Petersberg, um die Herzfrequenz nicht zu überdrehen. Oben geht es einmal um die ehemalige Staatsgäste-Residenz des Bundes herum.  Es folgt ein schönes Bergabstück. Ich liebe es, schnell auf Trampelpfaden bergab zu laufen. Ich überhole wieder einige Läufer und mache Plätze gut.

Auch den Geisberg und den Drachenfels komme ich sehr gut hinauf. Beide offenbaren oben tolle Panoramablicke ins Rheintal. Eigentlich viel zu schade, dass man hier so vorbeihetzt. Grund genug, hier nochmal zum Wandern hinzukommen.

Der Drachenfels hat durch die Fertigstellung der Drachenfelsbahn eine neue Streckenführung, die mir besser gefällt als im letzten Jahr. Oben am Drachenfels gibt es ein reichhaltiges Kuchenbuffet. Ich verzichte aber lieber zu Gunstens eines „leckeren“ Gels. Da weiß ich besser, dass ich es vertrage. Am Fuße des Drachenfels steht ein Kilometerschild. Hui, wie schnell bin ich denn unterwegs?! Wenn ich das Tempo halten kann, dann reicht das für eine 3 Stunden 15 Minuten bis 3 Stunden 20 Minuten!

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Foto: Michaela

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Foto: Eventfotografie24.de

Es folgt der nicht enden wollende Anstieg zur Löwenburg. Ich überhole einige Läufer, aber auch von hinten höre ich ein paar Schnaufer herankommen. Ein wenig kann ich noch zulegen und erhöhe das Tempo. Endlich kommen wir oben auf dem eben verlaufenden Wirtschaftsweg an. Gemeinsam mit den Schnaufern laufe ich zum Verpflegungspunkt, schnappe mir ein paar Getränke und laufe von dannen. Es folgt ein brutales, langes Bergabstück. Ich habe viel Bergablaufen trainiert und kann hier richtig Gas geben.

Unten im Schmelztal angekommen geht es über eine Straße, an irgendeinem Sammelbecken vorbei und direkt wieder sehr steil bergauf in den nächsten Hang hinein. Hier sind für mich ein paar Meter gehen angesagt, da ich mit dieser Steigung nicht mehr klar komme. Den Rest des welligen Profils kann ich wieder laufen. Auch oben auf dem Wirtschaftsweg bin ich noch erstaunlich gut in Form und überhole erneut einige Läufer, von denen einige mit Krämpfen kämpfen. Endlich kommt der Fotograf und ich weiß, dass es jetzt rechts steil einen Weg/Abhang (?) hinuntergeht. Wenn jetzt nichts mehr schief geht, dann müssten die 3 Stunden Minuten 20 locker drin sein. Vielleicht schaffe ich sogar 3 Stunden 15 Minuten?!

Ich lasse es also nochmal richtig krachen, kämpfe mich über die letzten Wellen und stürze so schnell es geht an Schrebergärten vorbei hinab Richtung Bad Honnef. Der Puls bewegt sich langsam aber sicher Richtung Anschlag. Die letzten paar Kilometer müsste ich das aber noch durchhalten. Ein Verfolger sitzt mir direkt im Nacken. Das gibt noch zusätzlichen Ansporn… Durch Nebenstraßen von Bad Honnef geht es mal links mal rechts ab Richtung Rhein hinunter. Als es unter einer Unterführung hindurch geht, weiß ich, was als nächstes kommt: Eine ätzende Brücke über die Bahnlinie, auf die man über einen spiralförmigen Anstieg hinauflaufen muss. Das tut weh. Wäre das nicht anders zu lösen gewesen?! ;o) Mein Verfolger ist nur knapp 20 Meter hinter mir. Also: Nochmal alles geben, es ist nicht mehr weit.

Vor mir liegt bereits die Insel Grafenwerth. Ich überquere die letzte Brücke, komme auf der Insel an und biege nach rechts auf die mehrere hundert Meter lange Zielgerade ein (das Ziel sieht man noch nicht, es liegt hinter einer Kurve). Ich gebe nochmal alles und gehe mit dem Puls an den Anschlag. Ohne einen Platz zu verlieren erreiche ich das Ziel. Wahnsinn: 3 h 11 m 59 s, Platz 41 Männer, Platz 44 insgesamt – von insgesamt 329 Teilnehmern. So weit vorne war ich noch nie platziert. Unglaublich, was Training mit einem zielgerichteten Trainingsplan bewirken kann. :o)

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Foto: Eventfotografie24.de

Der Rheinsteig-Extremlauf gehört zweifelsohne zu einem der schönsten Landschaftsläufe. So viel Trailanteil findet man sonst nur ganz selten! Bleibt zu hoffen, dass dieser Lauf noch viele Male stattfinden wird und sich zu einer festen Größe im Laufkalender etabliert. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei!

Für Interessierte: Anbei noch die Diagramme aus meine Polar RS800CX RUN. Rot = Herzfrequenz, dunkelrot = Höhe, blau = Pace.

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